
Wer nach einem Verlust dauerhaft tief trauert, stirbt häufiger früher. Diese Beobachtung ist nicht neu, doch eine in Frontiers in Public Health erschienene Langzeitstudie aus Dänemark liefert nun präzise Zahlen über einen Zeitraum von zehn Jahren.
Mette Kjærgaard Nielsen vom Forschungszentrum für Allgemeinmedizin in Aarhus begleitete 1.735 Hinterbliebene mit einem Durchschnittsalter von 62 Jahren. Über das dänische Gesundheitsregister liessen sich ärztliche Inanspruchnahme und Sterblichkeit lückenlos rekonstruieren. Erfasst wurde die Trauerintensität mit dem standardisierten PG-13-Fragebogen.
Die Befragten verteilten sich auf fünf Verläufe. 38 Prozent zeigten durchgehend niedrige Symptome. 29 Prozent gehörten zur Gruppe "moderat, aber abnehmend", 18 Prozent zu "hoch, aber abnehmend". Neun Prozent erlebten einen späten Symptomgipfel etwa ein halbes Jahr nach dem Verlust. Sechs Prozent blieben dauerhaft auf hohem Niveau.
Diese sechs Prozent trugen die Hauptlast. Ihr Sterberisiko war über zehn Jahre 88 Prozent höher als das der Vergleichsgruppe. Die Wahrscheinlichkeit, Antidepressiva verschrieben zu bekommen, lag um das 4,6-Fache höher, der Bezug von Beruhigungs- und Angstmitteln um 160 Prozent.
Nielsen folgert daraus eine konkrete Aufgabe für die Hausarztversorgung. Wer schon vor dem Verlust mit psychischen Belastungen lebte, sollte gezielt im Blick behalten und früh an Spezialisten verwiesen werden. Damit gewinnt die im ICD-11 als anhaltende Trauerstörung klassifizierte Diagnose eine zusätzliche, sehr körperliche Dimension. Trauer kostet nicht nur Lebensqualität, sondern messbar Lebenszeit.